Kanha National Park

Madhya Pradesh, Indien

23.04.2022 - 15.05.2022

Tyger Tyger, burning bright,
In the forests of the night;
What immortal hand or eye,
Could frame thy fearful symmetry?
--- William Blake, 1794 ---


Tiger - keine andere Großkatze hat die Phantasie der Menschen mehr beflügelt als der gestreifte Jäger des Dschungels, wobei das Spektrum von der verehrten Gottheit bis hin zum albtraumhaften Menschenfresser reicht.

Auch für uns ist der König der Wälder ein faszinierendes Motiv, dem wir allerdings schon lange nicht mehr nachgespürt hatten. Für eine erfolgreiche Tigersafari bietet Indien, insbesondere der Tiger State Madhya Pradesh, die besten Voraussetzungen weltweit. Als im Herbst 2021 Indien endlich die Corona-Beschränkungen im Luftverkehr aufhob und neue Visa ermöglichte, war für uns klar, daß wir uns direkt im Frühjahr 2022 auf den Subkontinent begeben würden.

Unsere vorherigen Touren hatten uns bisher immer nach Bandhavgarh geführt, dem Tiger Reserve mit den besten Tigersichtungen überhaupt. Diesmal wollten wir jedoch etwas Neues entdecken und entschieden uns für 3 Wochen im Kanha Nationalpark, einem der ältesten Schutzgebiete in Indien und eine der Vorlagen für Kiplings Dschungelbuch.

Anfang 2022 stand der Plan dann jedoch noch einmal auf der Kippe. Indien beschloss neue Einreiseregeln, u.a. einen PCR-Test nach der Einreise und eine verpflichtende Quarantäne. Da jedoch unsere Permits für Kanha bereits gekauft waren und diese nicht zurückgegeben werden können, beschlossen wir zu pokern und auf eine Verbesserung der Lage zu hoffen. Dies zahlte sich aus, denn Ende März 2022 wurden die Regeln angepasst, man benötigte nun nur noch einen PCR-Test vor dem Abflug und die Quarantäne entfiel - somit stand der Tour nichts mehr im Wege.

Bepackt mit 35kg Fotoausrüstung in unseren Rucksäcken machten wir uns in der letzten April-Woche auf den Weg. Von DUS ging es über CDG nach DEL und nach einem kurzen Zwischenstopp in Delhi weiter nach Raipur. Dort wurden wir bereit von unserem Fahrer erwartet und 4 Stunden später erreichten wir die Singinawa Jungle Lodge nahe des Mukki Gates... die Tigersafari konnte beginnen.

Kanha Tiger Reserve

Kanha Tiger Reserve

Madhya Pradesh - The Tiger State - bedeutet wörtlich eigentlich ?Zentralprovinz?, denn dieser Bundesstaat liegt genau im geografischen Herzen Indiens.

Mit einer Gesamtwaldfläche von 94.689 km2 (31% der geografischen Fläche) konnte der Bundesstaat noch relativ viel Dschungel als Lebensraum für Wildtiere erhalten, eine Seltenheit in dem überbevölkerten Land. So beherbergt Madhya Pradesh insgesamt 11 Nationalparks und 25 Schutzgebiete, die sich über eine Fläche von 10.862 km2 verteilen, was 11,40% der gesamten Waldfläche und 3,52% der geografischen Fläche des Staates ausmacht.

Madhya Pradesh weist ein subtropisches Klima auf, mit einem heißen, trockenen Sommer (April-Juni), gefolgt von Monsunregen (Juli-September) und einem kühlen und relativ trockenen Winter.

Das Kanha Tiger Reserve erstreckt sich über eine Fläche von 940 km2 mit einer Landschaft geprägt durch Hügelketten, Täler und Hochplateaus. Die beiden wichtigsten Flüsse sind der Banjar und der Halon.

Der Dschungel besteht aus Laubwäldern, Savannengrasland sowie den mäandernden Flüssen. Neben den weiten Grasflächen entlang der Flusstäler bedecken die dichten Sal- und Teakwälder den größten Teil des Parks, zwischen den Bäumen findet sich dichtes Unterholz und Bambus.

Die sehr artenreiche Faune umfasst neben 130 Tigern, Leoparden, Wildhunden und Lippenbären auch Schakale, Gauer, Sambar- und Axis-Hirsche, Sumpfhirsche (Barasingah) sowie Wildschweine, Schwarzböcke, Füchse u.v.m.

Der Park ist in 4 verschiedene Kernzonen eingeteilt und wird durch eine weitläufige 1,067 km2 große Pufferzone von der umliegenden Besiedlung abgeschirmt. Alle unsere Fahrten fanden in der Mukki- und Kanha-Zone statt, wobei wir meist vormittags in der Kanha-Zone unterwegs waren und nachmittags die Mukki-Zone nutzten.

Mukki & Kanha Zone

Wildlife im dichten Dschungel des Nationalparks

Die extrem Hitzewelle, die Indien dieses Jahr seit März heimsuchte, mit 47°C und mehr in Kanha führte zu schwierigen Fotobedingungen. Die Tiere konzentrierten sich zwar auf die wenigen verbliebenen Wasserlöcher, aber sie verließen diese so gut wie nie und verbrachten den gesamten Tag im Schatten. Dies, gekoppelt mit dem dichten Unterholz zwischen den Bäumen und dem harschen Licht ab 08:30 morgens und vor 16:30 nachmittags ließ uns nur ein sehr kleines Zeitfenster für gute Tierfotos. Bewegung gab es praktisch nur in den 1,5 Stunden nach Sonnenaufgang oder vor Sonnenuntergang. Hatte man in dieser Zeit keine gute Sichtung war der Tag verloren.

Trotz dieser Einschränkung hatten wir diverse sehr gute Tigersichtungen und dank eines engagierten Guides meist auch eine sehr gute Position für ansprechende Fotos. Dies war wichtig, denn der Nationalpark war leider trotz Corona gut gefüllt und so sammelten sich häufiger mehrere Fahrzeuge bei einer Sichtung. Zwar gab es weniger als eine handvoll ausländischen Touristen im Park, aber die Fahrzeuge wurden durch indische Besucher gut gefüllt.

Highlights waren eine Tigerin, die bei der Verfolgung eines Leoparden auf einen Baum kletterte und die Sichtung mehrerer großer dominanten Tiger in der Mukki-Zone.

Die 3 Wochen in Kanha waren auf jeden Fall ein unvergessliches Erlebnis und wir konnten hier unser ganz persönliches Dschungel-Buch fotografieren, mit Gastauftritten von Lippenbären, Wildhunden, Schlangen und vielen anderen Tieren. Wir werden sicher schnell hierher zurückkehren, nur dann vielleicht in der etwas kühleren Jahreszeit (März/April).